Kleine Bäder sind in deutschen Wohnungen die Regel, nicht die Ausnahme. Durchschnittlich misst ein Badezimmer hierzulande nur 7,8 Quadratmeter – und in Altbauten oder Stadtwohnungen sind es oft deutlich weniger. Die gute Nachricht: Mit cleverer Planung wird auch ein Mini-Bad zur Wohlfühloase.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen bewährte Grundrisse für kleine Bäder, platzsparende Sanitärlösungen und optische Tricks, die Ihr Bad größer wirken lassen – ohne einen Quadratmeter dazuzubauen.
Das Wichtigste in Kürze
- Prioritäten setzen: In kleinen Bädern müssen Sie sich oft zwischen Dusche und Badewanne entscheiden
- Wandhängend wählen: Wandhängende WCs und Waschtische schaffen optisch mehr Raum und erleichtern die Reinigung
- Höhe nutzen: Stauraum nach oben verlagern – mit Hochschränken, Regalen und Spiegelschränken
- Optische Tricks: Helle Farben, große Fliesen und durchgehende Bodenbeläge vergrößern optisch
Grundrisse für kleine Bäder
Bei der Planung kleiner Bäder ist die Anordnung der Sanitärobjekte entscheidend. Hier sind bewährte Layouts für verschiedene Raumgrößen und -formen:

Das Schlauchbad (2 x 3 m)
Lange, schmale Bäder sind typisch für Altbauten. Die beste Strategie: Alle Objekte an einer Längsseite anordnen.
- Dusche am Fenster (falls vorhanden) für natürliche Belüftung
- WC in der Mitte – außerhalb des direkten Sichtfelds beim Betreten
- Waschtisch nahe der Tür für kurze Wege morgens
- Gegenüberliegende Wand für Handtuchheizkörper und Stauraum nutzen
Das quadratische Mini-Bad (2 x 2 m)
Auf 4 qm wird es eng – aber machbar. Die Ecklösung ist hier der Schlüssel:
- Eckdusche mit Viertelkreis-Duschwanne (80 x 80 cm oder 90 x 90 cm)
- WC an der kurzen Wand gegenüber der Tür
- Schmaler Waschtisch (50 cm Tiefe) neben der Dusche
- Schiebetür statt Drehtür – spart bis zu 1 qm Schwenkbereich
Das L-förmige Bad
L-förmige Grundrisse bieten eine natürliche Zonierung:
- Dusche oder Badewanne im längeren Schenkel
- WC im kürzeren Schenkel – so entsteht ein separater Bereich
- Waschtisch am Übergang für gute Zugänglichkeit
Nutzen Sie Nischen konsequent aus! Der Bereich über dem WC eignet sich perfekt für einen Einbauschrank oder offene Regale.
Platzsparende Sanitärobjekte
Die Wahl der richtigen Sanitärobjekte macht bei kleinen Bädern den Unterschied. Hier sind die besten Lösungen:
Dusche statt Badewanne
Eine Dusche benötigt weniger Platz und ist im Alltag praktischer. Moderne Optionen:
- Bodengleiche Dusche: Optisch nahtlos, barrierefrei, kein Wannenrand
- Walk-In-Dusche: Offene Lösung ohne Tür – wirkt großzügig (ab 100 cm Breite sinnvoll)
- Eckdusche mit Pendeltür: Klassisch platzsparend, ab 80 x 80 cm
- Nischendusche: Perfekt für schmale Bäder, nutzt vorhandene Wände
Duschbadewanne als Kompromiss
Sie möchten auf die Badewanne nicht verzichten? Eine Duschbadewanne kombiniert beides: Am Kopfende breiter für bequemes Baden, am Fußende schmaler mit Duschbereich. Maße ab 160 x 70/90 cm erhältlich.
Kompakte Waschtische
Standard-Waschtische haben 60 cm Tiefe – für kleine Bäder oft zu viel. Alternativen:
| Waschtisch-Typ | Maße (B x T) | Geeignet für |
|---|---|---|
| Handwaschbecken | 40-50 x 30-35 cm | Gäste-WC, sehr kleine Bäder |
| Schmaler Waschtisch | 50-80 x 40-45 cm | Kleine Bäder bis 5 qm |
| Eckwaschtisch | 50 x 50 cm | Quadratische Mini-Bäder |
| Möbelwaschtisch | 60+ x 45 cm | Kombination mit Unterschrank |
Wandhängendes WC
Ein wandhängendes WC mit Unterputz-Spülkasten ist in kleinen Bädern erste Wahl. Vorteile: Der Boden darunter bleibt frei und kann leicht gereinigt werden. Optisch wirkt der Raum größer. Und die Sitzhöhe lässt sich individuell anpassen (Standard: 40-42 cm, Komfort: 46-48 cm).
Stauraum clever nutzen
In kleinen Bädern fehlt oft der Platz für klassische Badmöbel. Diese Lösungen schaffen Stauraum, ohne den Raum zu überfrachten:

- Spiegelschrank: Kombiniert Spiegel und Stauraum – Tiefe nur 12-15 cm
- Hochschrank: Nutzt die Raumhöhe aus, Breite ab 25 cm erhältlich
- Nischenregale: Eingelassene Regale in Dusche oder über dem WC
- Unterschrank: Platz unter dem Waschtisch nutzen statt Standsäule
- Hakenleisten: Für Handtücher und Bademäntel an der Tür oder Wand
- Über-der-Tür-Regale: Oft ungenutzter Raum über dem Türrahmen
Einbaunischen in der Dusche (15-20 cm tief) ersetzen freistehende Duschregale und wirken aufgeräumter. Sie werden während der Sanierung in die Vorwand integriert.
Optische Vergrößerungstricks
Mit den richtigen Gestaltungsmitteln wirkt ein kleines Bad deutlich größer, als es ist:

Farben und Fliesen
- Helle Farben: Weiß, Creme, helles Grau reflektieren Licht und weiten den Raum
- Große Fliesen: Weniger Fugen = ruhigeres Bild. Format ab 60 x 60 cm ideal
- Durchgehender Boden: Gleiche Fliese in Dusche und Bad (ohne Schwelle)
- Wandfliesen bis zur Decke: Zieht den Raum optisch in die Höhe
- Längliche Formate: Horizontal verlegt verbreitern, vertikal verlegt erhöhen optisch
Glas und Spiegel
- Glas-Duschabtrennung: Transparent statt satiniert – unterbricht den Raum nicht
- Großer Spiegel: So groß wie möglich, idealerweise wandbreit über dem Waschtisch
- Spiegelnde Oberflächen: Hochglanz-Fronten an Schränken reflektieren Licht
Beleuchtung
- Mehrere Lichtquellen: Decke, Spiegel, ggf. Nische – vermeiden Sie einzelne Lichtpunkte
- Indirekte Beleuchtung: LED-Streifen unter Schränken oder hinter dem Spiegel
- Tageslicht maximieren: Fenster frei halten, transparente Vorhänge
- Warmweißes Licht: 2.700-3.000 Kelvin wirkt einladend
Vermeiden Sie zu viele verschiedene Materialien und Farben. In kleinen Räumen wirkt das schnell unruhig. Beschränken Sie sich auf 2-3 Hauptfarben und einheitliche Oberflächen.
Was kostet die Sanierung eines kleinen Bads?
Kleine Bäder sind pro Quadratmeter oft teurer als große – der Aufwand für Installation und Planung ist ähnlich, verteilt sich aber auf weniger Fläche.
| Badgröße | Einfach | Standard | Gehoben |
|---|---|---|---|
| 4 qm | 4.500 – 7.000 € | 7.000 – 11.000 € | 11.000 – 16.000 € |
| 5 qm | 5.500 – 8.500 € | 8.500 – 13.500 € | 13.500 – 19.000 € |
| 6 qm | 6.500 – 10.000 € | 10.000 – 16.000 € | 16.000 – 22.000 € |
Bei barrierefreiem Umbau (z.B. bodengleiche Dusche) sind Zuschüsse von bis zu 4.180 € (Pflegekasse) plus KfW-Förderung möglich. Informieren Sie sich vor Baubeginn!
Fazit: Klein, aber oho
Ein kleines Bad muss kein Nachteil sein. Mit durchdachter Planung, den richtigen Sanitärobjekten und cleveren Gestaltungstricks wird aus wenigen Quadratmetern ein funktionales und optisch ansprechendes Badezimmer.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren: Prioritäten setzen (was brauchen Sie wirklich?), Stauraum nach oben verlagern, helle Farben und große Formate wählen, und auf Transparenz setzen. So entsteht ein Bad, in dem Sie sich trotz begrenzter Fläche wohlfühlen.
“In kleinen Bädern zählt jeder Zentimeter. Aber mit der richtigen Planung wird aus dem vermeintlichen Nachteil ein gemütlicher Rückzugsort.”
— Jasper Kronenberg, SHK-Meister

Geschrieben von
Jasper KronenbergProjektleiter Badsanierung & SHK-Meister • über 10 Jahre Erfahrung
SHK-Meister mit über 10 Jahren Erfahrung in der Badsanierung. Experte für barrierefreie Bäder und moderne Badplanung in NRW.


